Praxis Dr. LindnerBei allen Diskussionen über die Schwächen der
Medizin wird das Verhalten der Patienten fast nie einbezogen.
Patienten üben einen sehr konkreten Druck auf ihre Ärzte
aus und erwarten prompte Linderung ihrer Beschwerden. Es besteht
in der Regel wenig Bereitschaft, Lebensgewohnheiten zu verändern
oder dem Organismus angemessen Zeit zu lassen, gesund zu werden.
Stattdessen reagieren nicht wenige Patienten beinahe fassungslos,
wenn ihnen kein Rezept in die Hand gedrückt wird (»Der
macht ja nichts, der hilft mir nicht«).
Den Arzt aufzusuchen heißt in vielen Fällen, ein Ritual
zu vollziehen aus Gespräch, Berührung beim Untersuchtwerden
und Rezept.
Dieses Ritual aktiviert die Selbstheilungskräfte.
Etwas zu schlucken oder gespritzt zu bekommen gehört zum
Ritual, Patienten erwarten es unbedingt.
Ich behaupte, die eigentliche pharmakologische Wirkung ist oft sekundär.
Deshalb würde in vielen Fällen eine homöopathische
Rezeptur genauso gut und risikoärmer funktionieren. Die Menschen,
die sich auf Homöopathie einlassen, sind nicht zuletzt deshalb
oft von »Erfolgen« begeistert, weil sie es als selbstverständlich
akzeptieren, dass Heilung Zeit braucht und eigenes Zutun sowie
eine achtsame Lebensführung - so entsteht auf natürliche
Weise Gesundheit. Sehr viele Menschen sind dazu nicht bereit.
Voltaire sagte mal dazu:
»Die Kunst des Arztes besteht
darin, den Kranken so lange zu amüsieren, bis die Natur ihn
geheilt hat.«
DR. MED. CHRISTOPH HECK, FACHARZT
FÜR PSYCHIATRIE UND PSYCHOTHERAPIE, BRÜHL
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