Praxis Dr. LindnerSo reduzieren Sie das Risiko des plötzlichen
Kindstodes:
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- Zigarettenrauch vermeiden (auch in der Schwangerschaft, auch das "Passsivrauchen"). - Legen sie das Baby zum Schlafen nicht in Bauchlage (tagsüber darf das Kind natürlich auf dem Bauch liegen). Lagern Sie Ihr Kind auf einer festen Matratze und verwenden Sie keine Teile im Bett, die sich Ihr Kind über den Kopf ziehen oder unter die es kriechen kann. - Überwärmung vermeiden (kühle Schlafumgebung, -ca. 19° C- und nicht zu warme Kleidung ). - Lassen Sie Ihr Kind im eigenen Bettchen schlafen. - Stillen schützt. |
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Der "Plötzliche Kindstod" trifft die Familien immer unverbereitet aus völliger Gesundheit als Schicksalsschlag. Bitte vergessen Sie nicht: 999 von 1000 Babys sind nicht vom plötzlichen Kindstod betroffen. Lassen Sie sich daher nicht die Freude an Ihrem Baby nehmen. |
Ihre Fragen zum "Plötzlichen Kindstod" beantwortet
in Deutschland:
Frau Dipl.med. Dagmar Fischer,
Tel.: 0391 /671 71 47
Dagmar.Fischer@Medizin.Uni-Magdeburg.de
weitere Infos unter www.Schlafumgebung.de
"Der
Tagesspiegel" (08.11.2006) Alexander
S. Kekulé / Was WISSEN schafft
Wenn Säuglinge vergessen zu atmen
/US-Forscher finden eine Erklärung für den plötzlichen
Kindstod
Schlafen ist für rund 500 deutsche Babys im Jahr tödlich
sie wachen vom nächtlichen Schlummer oder dem Nickerchen
zwischendurch nicht mehr auf, obwohl sie vorher vollkommen gesund
waren. Eines von 2000 Kindern stirbt am plötzlichen
Kindstod (Sudden Infant Death Syndrome, SIDS), der damit
die häufigste Todesursache im ersten Lebensjahr ist.
Die medizinischen Ursachen des mysteriösen Babysterbens lagen bis jetzt im Dunkeln. Auch die Statistik ergibt kein klares Bild: SIDS tritt fast ausschließlich im ersten Lebensjahr auf, am häufigsten zwischen dem zweiten und fünften Monat. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. An SIDS verstorbene Kinder schliefen etwa zehnmal häufiger als der Durchschnitt in Bauchlage oder hatten die Decke über den Kopf gezogen. Auch Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft und Einatmen von Zigarettenqualm in den ersten Lebensmonaten erhöhen das Risiko. Andere Risikofaktoren waren bisher weniger einleuchtend so bringen besonders besorgte Eltern, die ihr Baby bei sich im Bett schlafen lassen, ausgerechnet dadurch ihr Kind in Gefahr. Auch zu enge Wiegen gelten als Risiko. Am sichersten scheint demnach Schlafen auf dem Rücken im eigenen Bettchen in kühler Frischluft zu sein, und zwar im Schlafsack, damit sich der Sprössling nicht so leicht auf den Bauch drehen kann.
Doch auch die Beachtung aller Vorsichtsregeln bedeutet keine Sicherheit vor SIDS. Die unheimliche Gefahr verursacht vielen Eltern schlaflose Nächte. Manche verfallen in regelrechte Panik und rüsten Kinderzimmer zu kleinen Intensivstationen auf mit Videokameras, Funkalarmen für die Atmung oder Kreislaufmonitoren aus dem Krankenhaus.
Eine vergangenen Mittwoch veröffentlichte Studie bringt nun erstmals Licht in die biologischen Vorgänge, die zum nächtlichen Babysterben führen. Eine US-Forschergruppe fand heraus, dass der Hirnstamm von an SIDS verstorbenen Säuglingen weniger gut auf den Botenstoff Serotonin reagierte als bei normalen Kindern. Diese Hirnregion am Übergang zum Rückenmark regelt die Atmung und das Hochfahren der Nervenaktivität aus dem Schlaf: Bekommt der Körper zu wenig Sauerstoff, etwa weil die Atmung im Tiefschlaf zu langsam wird oder eine Decke auf das Gesicht drückt, schütten spezialisierte Nervenzellen Serotonin aus. Die dadurch ausgelöste Erregung wirkt auf das Großhirn wie eine kalte Dusche das Kind wacht ein wenig auf, bewegt sich, bis die Atemwege frei sind, atmet ein paarmal tief durch und versinkt wieder im Schlummer.
Die neue Studie beweist, was SIDS-Experten schon länger vermuteten: Aufgrund einer genetischen Veranlagung sind einige Kinder besonders gefährdet. Bei diesen reagieren die Nervenzellen nicht empfindlich genug auf die Serotonindusche aus dem Hirnstamm. Besonders wenn es warm und gemütlich ist wie bei den Eltern im Bett, hört der Säugling im Tiefschlaf einfach auf zu atmen und reagiert nicht, wenn die Sauerstoffversorgung gestört wird. Diese Babys vergessen sozusagen im Schlaf, dass sie nicht mehr im Mutterleib sind. Dort war es ebenfalls warm, eng und geborgen und das Atmen besorgte die Mama für sie.
Damit sind auch die statistisch gefundenen Risikofaktoren endlich verständlich. Zur genetischen Veranlagung passen die länger bekannten Häufungen von SIDS in bestimmten Familien und bei Menschen mit afrikanischer Abstammung. Auch das geringere SIDS-Risiko für Mädchen ist geklärt: Der weibliche Hirnstamm reagiert nämlich empfindlicher auf Serotonin als der männliche. Da Schwangere für den Fötus mitatmen und Stillende leicht weckbar sein müssen, macht dieser kleine Unterschied durchaus Sinn.
Die Studie war übrigens nur möglich, weil in Kalifornien bereits seit 1989 alle SIDS-Toten ohne Einverständnis der Eltern für die Forschung verwendet werden können. Da sonst nur wenige Eltern ihre verstorbenen Kinder dafür freigeben, wird es wohl noch lange dauern, bis ein Test für die Disposition zum plötzlichen Kindstod zur Verfügung steht. Bis dahin mag es Eltern beruhigen, dass die Beachtung der Risikofaktoren das SIDS-Risiko immerhin um die Hälfte reduziert. Die andere Hälfte bleibt vorerst Schicksal.
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