Praxis Dr. Lindner
Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin in Berlin Lankwitz
Leonorenstraße 95 / 12247 Berlin Steglitz (Lankwitz Kirche) / Tel: 030 - 492 66 88Neu: Warum der Homöopath helfen kann (vom 17.11.2010)
Homöopathie hilft nicht (vom 12.7.2010)
Der Schein heilt ("Der Tagespiegel" 21.06.2005)Dr. WEWETZER
fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin. Heute: Warum Placebos zu Unrecht einen schlechten Ruf habenPlacebos haben einen zweifelhaften Ruf. Ihre Politik ist nichts anderes als ein Placebo, sagt ein Politiker zum anderen, sie ist trügerisch und wirkt nicht! Aber das schlechte Image ist unbegründet. Denn ein Placebo, also ein Scheinmedikament, enthält zwar keinen Wirkstoff aber wirken tut es trotzdem. Es klingt verrückt, aber bei etwa jedem dritten Patienten bessern sich infolge Placebo die Beschwerden. Scheinmedikamente lindern Schmerzen, Asthma, Depressionen und Schüttellähmung (Parkinson), senken den Blutdruck und lassen uns besser schlafen. Und genauso wie echte Medikamente sollten sie regelmäßig eingenommen werden, damit sie helfen. Nebenwirkungen haben sie auch: Schwindel, Kopfschmerzen und Benommenheit zum Beispiel.
Wie aber kann eine Pille aus Stärke oder Milchzucker helfen, vielleicht sogar heilen? Nun, das Scheinmedikament wirkt nicht gezielt auf ein krankes Organ wie ein Asthmamittel auf die Atemwege, sondern auf die Psyche. Das Placebo, das mit Überzeugung verabreicht wird Diese Tablette wird Ihnen helfen! setzt im Gehirn Botenstoffe frei und aktiviert bestimmte Hirnareale. So können als Antwort auf den psychischen Kick durch das Placebo zum Beispiel schmerzstillende körpereigene Opioide im Gehirn hergestellt werden.
Nach einer neuen Untersuchung, die in dieser Woche im Fachblatt Neuron erschienen ist, können Placebos nicht nur Schmerzen lindern, sondern auch Angstgefühle und Stress mildern, wie Predrag Petrovic vom Stockholmer Karolinska-Institut feststellte und zwar um etwa ein Drittel. Mit einem Hirnscanner stellte Petrovic fest, dass das Scheinmedikament jene Hirnareale herunterdimmt, in denen Gefühle verarbeitet werden. Placebos beruhigen!
Entscheidend ist der suggestive Effekt. Der Patient muss an die magische Pille glauben können. Nicht umsonst heißt der Begriff übersetzt Ich werde gefallen. Ein Placebo muss nicht immer Pillenform haben. Ärzte zum Beispiel sind wandelnde Placebos. Auch ein operativer Eingriff mit seinem ganzen Drumherum ist schon an sich ein starkes Placebo.
Aber natürlich haben Placebos auch ihre Grenzen. Sie können keine schweren Krankheiten kurieren, keine verengten Herzkranzgefäße aufweiten, gebrochene Knochen richten oder eine Epilepsie kurieren. Der dänische Arzt Asbjorn Hrobartsson warnte schon vor vier Jahren in einer umfassenden Analyse wissenschaftlicher Daten im Fachblatt New England Journal, den Placebo-Effekt nicht zu überschätzen.
Placebos gibt es nicht auf Rezept. Aber der amerikanische Psychiater Walter Brown hat den ernsthaften Vorschlag gemacht, Patienten ganz offen wirkstofflose Präparate anzubieten. Viele Ärzte würden das wohl ablehnen und heimlich weiter Placebos verordnen. Wenn es einem dann besser geht, kann man auch auf sich selbst ein wenig stolz sein. Denn schließlich ist es eigentlich unser Körper, der mit der Krankheit fertig geworden ist. Es hat nur eines kleinen Anstoßes bedurft.
Aus "Die Zeit" / Leserbriefe (4-2005)
Bei allen Diskussionen über die Schwächen der Medizin wird das Verhalten der Patienten fast nie
einbezogen. Patienten üben einen sehr konkreten Druck auf ihre Ärzte aus und erwarten prompte
Linderung ihrer Beschwerden. Es besteht in der Regel wenig Bereitschaft, Lebensgewohnheiten zu
verändern oder dem Organismus angemessen Zeit zu lassen, gesund zu werden. Stattdessen reagieren
nicht wenige Patienten beinahe fassungslos, wenn ihnen kein Rezept in die Hand gedrückt wird
(»Der macht ja nichts, der hilft mir nicht«). Den Arzt aufzusuchen heißt in vielen Fällen, ein
Ritual zu vollziehen aus Gespräch, Berührung beim Untersuchtwerden und Rezept. Dieses Ritual aktiviert die Selbstheilungskräfte.
Etwas zu schlucken oder gespritzt zu bekommen gehört zum Ritual, Patienten erwarten es unbedingt. Ich behaupte, die eigentliche pharmakologische Wirkung ist oft sekundär.Deshalb würde in vielen Fällen eine homöopathische Rezeptur genauso gut und risikoärmer funktionieren. Die Menschen, die sich auf Homöopathie einlassen, sind nicht zuletzt deshalb oft von »Erfolgen« begeistert, weil sie es als selbstverständlich akzeptieren, dass Heilung Zeit braucht und eigenes Zutun sowie eine achtsame Lebensführung-so entsteht auf natürliche Weise Gesundheit. Sehr viele Menschen sind dazu nicht bereit.
Voltaire sagte mal dazu:
»Die Kunst des Arztes besteht darin, den Kranken so lange zu amüsieren, bis die Natur ihn geheilt hat.«
Homöopathen sind oft die besseren Ärzte"Der Tagesspiegel" 18.03.2004
Interviev mit dem Arznei-Experten Dr. Bruno Müller-Oerlinghausen über Sinn und Unsinn der kleinen Kügelchen
Wie wurden homöopathische Mittel bisher erstattet?
Homöopathische Mittel wurden bislang von den meisten Kassen erstattet, stellen aber innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung keinen großen Kostenfaktor dar, weil sie billig sind. Glaubensmedizin auf Krankenschein?
Warum Glaubensmedizin? Wirkt Homöopathie etwa nicht?
Die persönlichen Erfahrungen sprechen dafür, dass Homöopathie positive Wirkungen hat. Wirkungen sind aber nicht dasselbe wie Wirksamkeit. Unter Wirksamkeit verstehen wir, wenn sich in wissenschaftlichen Studien bei medizinisch definierten Störungen eine unterscheidbare Veränderung erkennen lässt im Vergleich zur Behandlung mit einem Scheinmedikament, einem so genannten Placebo.
Ist ein Vorteil der Homöopathie nicht, dass sie arm an Nebenwirkungen ist?
Nebenwirkungsarmut kann nur dann zur Bevorzugung einer Therapie führen, wenn erst einmal die Wirksamkeit der Therapie nachgewiesen ist. Sonst könnten wir ja genausogut die Einnahme von niedrigst dosiertem Milchzucker oder die Infusion von Kochsalzlösung empfehlen.
Warum glauben dann so viele Patienten an Homöopathie?
Vielleicht glauben viele Patienten eher an den Homöopathen oder die Homöopathin als an die Homöopathie und das an mittelalterliche Vorstellungen erinnernde Konzept von Samuel Hahnemann, dem Begründer der Homöopathie. Homöopatische Ärzte sind wohl oft einfach die besseren Ärzte, weil sie Zeit haben, zuzuhören und den Patienten in allen seinen Symptomen und Lebensbezügen ernst nehmen.
Und wieso ist die Wissenschaft so skeptisch?
Die Ausbildungsinhalte des Arztberufes werden in Deutschland vom Staat vorgegeben. Sie beruhen auf den Konzepten der wissenschaftlichen Medizin, die keinen Raum lässt für eine vernünftige Erklärung der homöopathischen Kügelchen. In keiner der von der Arzneimittelkommission bearbeiteten häufigsten hausärztlichen Diagnosen ließ sich die Wirksamkeit von Homöopathika wissenschaftlich belegen. Ich will nicht ausschließen, dass es über den Placebo-Effekt das heißt: die Wirkung des Glaubens hinaus auch spezifische Wirkungen gibt. Sie sind aber bislang einfach nicht glaubhaft nachgewiesen.
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