Praxis Dr. Lindner
Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin in Berlin Lankwitz
Leonorenstraße 95 / 12247 Berlin Steglitz (Lankwitz Kirche) / Tel: 030 - 492 66 88

Was Eltern in den ersten Lebenswochen bewegt:

Die Ernährung Ihres Kindes: Muttermilch ist die beste Nahrung für Ihr Kind. Grundsätzlich sollten Sie das Kind anlegen und stillen, wenn es Hunger hat, nicht zu festen, vorgeschriebenen Zeiten. Auch die Nahrungmenge darf das Kind selbst bestimmen.Sie dürfen darauf vertrauen, daß Ihre Muttermilch zur Ernährung Ihres Kindes ausreicht. Es genügt, das Kind einmal in der Woche zu wiegen. Ein gesundes Neugeborenes nimmt in den ersten Wochen etwa 175 g pro Woche zu, aber auch weniger oder mehr muß nicht beunruhigend sein.Wenn Sie stillen, die Milchmenge jedoch ausnahmsweise nicht reicht, so füttern Sie zusätzlich eine an die Muttermilch angenäherte Anfangsmilch ("Pre"-Nahrung). Sollte bei Ihrem Kind harter Stuhl auftreten, so hilft ein Teelöffel Milchzucker, den Sie dem Fläschchen zufügen.
Tee und Wasser sind keine Säuglingsernährungen und sollten nur bei extrem heißen Wetter gegeben werden.

Spazierengehen: Ein gesundes Neugeborenes kann bereits nach der Entlassung spazierengefahren werden. Beginnen Sie aber vorsichtig mit nicht zu langen Untemehmungen. Dabei sollte das Kind, vor allem in der kalten Jahreszeit, warm angezogen werden, bei Temperaturen unter 0 Grad Celsius bitte zusätzlich das Gesicht einfetten. Faustregel: Ein Kleidungsstück mehr als Sie selbst als angenehm empfinden. Hüten Sie Ihr Kind zu Hause und unterwegs vor blauem Dunst und rauchen Sie möglichst nicht.

Vitamin D: Ab dem 7. Lebenstag braucht jedes Kind ein Jahr + einen Winter lang 1 x täglich Vitamin D zur Vermeidung einer Rachitis (mangelhafte Mineralisierung der Knochen). Fluor zu Verhinderung von Karies (=Zahnfäule) wird nicht immer als Kombinationstablette empfohlen. Statt dessen soll ab dem ersten Zahndurchbruch direkt auf die Zähne fluorhaltige Zahncreme aufgebracht werden.

Vitamin K: Neugeborene benötigen Vitamin K zur Vermeidung von Blutungen. Daher geben wir Ihrem Kind nach der Geburt und bei der Vorsorgeuntersuchung U2 und U3 je 2 Tropfen Vitamin K

Neugeborenen-Gelbsucht: eine geringe Gelbsucht ist normal. Bei stärkerer Ausprägung, Müdigkeit und Trinkunlust ist eine Blutentnahme erforderlich.

Neugeborenen-Ausschlag,trockene bzw. sich schälende Haut: in den ersten Lebenstagen normal und klingen innerhalb einer Woche wieder ab. Rote Flecken ähnlich Feuermalen im Nackenbereich und oft auch an Stirn/Nasenwurzel/Augenlidern werden als Storchenbiß bezeichnet, sind harmlos und verschwinden in den ersten Lebensmonaten. Trockene bzw. sich schälende Haut, vor allem bei etwas übertragenen Neugeborenen, ist harmlos, eine Behandlung ist nicht erforderlich, evtl. kann eine normale Baby-Pflegecreme verwendet werden.


Brustdrüsenschwellungen, bei Mädchen auch Scheidenausfluß:
normal, Auswirkung der Schwangerschaftshormone, ohne Maßnahmen abklingend.


Verstopfte Nase, „Schnupfen", schnarchende Atmung:
fast immer vorhanden, harmlos. Physiologische Kochsalzlösung (NaCl 0,9%) kann Besserung bringen.

Schluckauf, Seufzer, kurzfristig unregelmäßige Atmung: harmlos. Mütter leiden oft mit, die Säuglinge eigentlich nie.

„Bauchkrämpfe" bzw. 3-Monats-Koliken: sie treten häufiger abends, zum Teil ständig und oft heftig auf. Ursache ist die Reizüberflutung unserer modernen Welt. Das kann sehr belastend für den Säugling und die Eltern sein, leider gibt es keine sicher wirksame Maßnahme. Blähungen sind nie die Ursache, selten die Folge der Kindsunruhe. Fencheltee, Kümmelölmassagen oder Wärmen des Bauches können versucht werden. Wichtig ist Geduld und die Aussicht, daß wirklich nach drei, vier Monaten alles vorbei ist.

Stuhlunregelmäßigkeiten: bei Muttermilch sind grünliche, krümelige, schleimige oder flüssige Stühle möglich, auch seltene, die nur 1 x wöchentlich kommen.

Nässender Nabel: Nabel nie pudern, nur vorsichtig mit einem Wattestäbchen und Alkohol säubern! Wenn der Nabel nach Abfallen des Nabelschnurrestes nicht innerhalb von einer Woche trocken ist oder riecht, bitte der Hebamme oder dem Kinderarzt zeigen.

Säuglingsakne, sogenannte Milien: Etwa Ende des 1. Lebensmonats auftretend, meist nach einigen Wochen abklingend, gelegentlich nahtloser Übergang in ein Säuglingsekem/Milchschorf. Bei nur geringfügig trockenen Hautstellen regelmäßig eincremen, bei stärkerer Ausprägung den Kinderarzt hinzuziehen. Die Borken auf dem Kopf (Kopfgneis) regelmäßig mit Babyöl aufweichen und beim Baden ablösen (harmlos).

Fingernägel die zu Kratzern im Gesicht führen: Gegebenfals kleine Handschuhe verwenden, oder auch Socken über die Hände ziehen. Natürlich dürfen Fingernägel auch bei Säuglingen geschnitten werden.

Zahndurchbruchsstörungen: Zahnen verursacht nie Krankheiten, Durchfälle oder Fieber. Es schmerzt auch nicht, entsprechend sind "Zahnungshilfen" auch überflüssig. Allerdings kommt es häufig im Rahmen von Infekten zum Zahndurchbruch. Darum sollte immer nach der eigentlichen Ursache für die Beschwerden gesucht werden.

Nabelbruch: Relativ häufig. Meist spontane Rückbildung im Laufe des 1. oder 2. Lebensjahres. Maßnahmen sind zunächst nicht erforderlich. Ein Leistenbruch ist seltener, dann bitte sofort den Kinderarzt konsultieren!

Augentränen: Ursache sind häufig enge Tränenkanäle. Die Behandlung ist nur erforderlich, wenn eine starke Bindehautentzündung mit Eiterbildung resultiert. Meist Besserung bis zum Alter von sechs Monaten.


 Zurück zur Startseite